Der Übertritt
Jan/080
Vor kurzem trat ich in ein neues Lebensjahr über. Die Astrotanten hatten mir sechs Tage zuvor ein erfolgreiches Jahr mit innovativ verlaufenden Energiebahnen vorausgesagt. Jupiter soll es anscheinend sein, der mich in seinem Kräftefeld durchs kommende Jahr mitzentrifugiert. Besinnen müsse ich mich nur auf die stopp-and-go- Situationen, welche meinem persönlichen Entwicklungsweg eine ganz bestimmte Note verleihe. Aha, mal schauen, dachte ich.
Dem lieben Jupiter hätte beinahe ein Audi in Punkto Mitreisen den Platz streitig gemacht. Nachdem ich den Händen meiner ayurvedischen Masseurin entschwebt war, wollte ich, natürlich regelkonform, die Wartstrasse überqueren. Stehen bleiben, Blick nach links, nach rechts. Links frei, rechts Auto. Ich sah, treffender gesagt spürte ich den hässlichen Audi bereits von weitem. In eine derart hässliche Farbe hatte ich einst in Marokko geguckt, als ich eine Magen-Darmverstimmung durchlitt.
Item. Trotz des Vortrittsrechts blieb ich kurz stehen, trat erst dann auf den gelben Streifen drauf. Der Lenker des Audis tat sinngemäß das Selbe wie ich. Er trat drauf, aufs Gaspedal. Ich hatte riesiges Schwein, er wahrscheinlich ein riesiges Schweinehirn. Einige Menschen hören in solchen Momenten Engelsharfen. Jedoch mir kamen die Worte der Masseurin in den Sinn: «Heute bist du aber sehr durchlässig. Irgendwie unscheinbar.» Wie jetzt?
Ich beschloss an der nächsten Ecke einzukehren um wieder etwas an körperlicher Substanz zurück zu gewinnen. Kebab mit scharf und allem. Unscheinbar zu sein war mir zu gefährlich. Wieder einigermaßen sichtbar radelte ich auf meinem Fahrrad nach Hause. Kaum in Fahrt gekommen, musste ich bereits wieder runter bremsen. Da war er wieder, dieser hässliche Audi, mitten auf dem Radweg parkiert! Das Schweingehirn besorgte sich wohl gerade eine Dose Futter. Langsam zirkelte ich um das grässliche Ding. Auf der Fahrerseite war die Scheibe herunter gekurbelt, da passierte es. Eine Wolke des am Rückspiegel baumelnden Duftbäumchens stieg mir in die Nase. Das war einfach zuviel.
Meine gerade erst gesammelte Substanz verlor sich in der Außenwelt. Die Fontäne aus zerkautem Kalbs- und Lammfleisch mit scharf und allem prasselte auf den Fahrersitz nieder. Ich kotzte aus meinen achtundzwanzig Jahre alten Leibeskräften und fühlte mich dabei echt toll. Danach wischte ich mir den Mund trocken und sah zu, wie einige Spritzer der Kotze in die Ritzen der Belüftungsschieber rannen. Plötzlich hörte ich ein lautes Grunzen. «Eeh du, wa machsch da, Mann!»
Es blieb mir nur noch eins. Ich richtete meinen Blick zum Himmel empor und schrie: «Jupiter, zeig was du kannst! Los jetzt!» Ich brach wohl all meine bisherigen Streckenrekorde und kam sicher, wenn auch etwas verschwitzt, zu Hause an. Nun habe ich eine wage Vorstellung davon, was mit diesen stopp-and-go-Situationen und dem anderen Astozeugs gemeint ist.
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